Goms wie hibschs bisch dü

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Am vergangenen Sonntag hat das Goms seinen ersten Kulturpreis an Oskar Lagger verliehen. Mit einer Hommage bedankten sich der Oberwalliser Lehrerchor, der Oskar-Lagger-Männerchor und der Männerchor Brig  in Form eines Konzert- und Liederabends. Unter der Leitung von Musikdirektor Hansruedi Kämpfen kam es in der Pfarrkirche von Münster zu einer bewegenden Feier. Als zum Abschluss der Hommage der Geehrte gar selber nochmals das Volkslied „Im schönen Wiesengrunde“ dirigierte, da blieb bei vielen Gästen vor Rührung kein Auge trocken.

Dabei habe er als Gommer „sein ganz besonderes Fett“ abbekommen, war über die Vita von Oskar Lagger zu vernehmen. Als Musiker sei er kein typischer Gommer, denn diese seien eher Mathematiker. Vielleicht war dies mit ein Grund, weshalb Oskar Lagger das Goms verliess und seinen Wohnsitz in Savièse bezog, dies vor allem, um im ehemaligen Lehrerseminar von Sitten zu unterrichten. Da war er seinen Schülern ein autoritärer und äusserst kompetenter und respektierter Musiklehrer.

Nun also hat sich Oskar Lagger in der Münstiger Pfarrkirche noch einmal einige seiner zahlreichen Kompositionen und Bearbeitungen angehört. In der zweitvordersten Kirchenbank sitzend, ging beim Anhören und Miterleben seiner Lieder immer mal wieder ein Leuchten über sein Gesicht, ein kurzes Lächeln oder ein mitfühlendes Nicken.

Dabei fiel auf, wie weit das musikalische und literarische Spektrum seiner Kompositionen reicht. „Des Sängers Fluch“ etwa ist eine gigantische Komposition nach einer Ballade von Ludwig Uhland aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu den Originalzeilen schrieb Oskar Lagger die Musik. Und wie! Da wechseln sich Chor, Sopran-Solo und Diktion in einem veritablen Schauspiel dramatisch ab.

Als Gommer war Oskar Lagger auch die regionale Sagen- und Erzählwelt eine künstlerische Inspiration. Der Weger Baschi etwa. Spektakulär vorgetragen im urchigen Gommer Dialekt die Geschichte des „Riesen Panagyrikus“:

Was isch das fer einä, lengä, breitä wie en Böim? Welä het da Bej wie Titschini und Arma wie Chnepja lärchjini Escht? Welä höürut und höüpet im Gomsji ummenand wie n gschtollni Elefantetrompeta? Welä het da so n zerschtrüsslätä Bart eswje schi es Neeschi a schiine Ohrne hätti erheicht? (…) Der cha numme Wäger Baschi heissä.

Wunderschön auch die Ode ans Goms mit der Musik von Oskar Lagger: Das Lied „Miis Goms“ ist auch wegen des romantisch-idyllischen Dialekts ein Leckerbissen:

„Scho am Morgund früe trieb ich miini Chie üs uf d’Alpuweid und ich sing voll Freid mit dem Widerhall ds Lied va miinem Tal. Goms, miis Goms, wie hibschs bischt dü!“

Schade, wer diesen wunderschönen Konzert- und Liederabend, diese Hommage an Oskar Lagger, verpasst hat. Aber es gibt da einen kleinen Trost für die grosse Oskar Lagger – Fangemeinde: Bereits über 80-jährig, hat es sich der Geehrte nicht nehmen lassen, kürzlich seine weit über 100 Kompositionen zu digitalisieren und damit für die Nachwelt auch in dieser Form zu erhalten.

Danke, lieber Oskar Lagger, für Deine Musik und für Deine Geschichten, die Du uns geschenkt hast. Viele von Deinen Schülern tragen Deine Lieder ein Leben lang im Herzen. Deine Lieder verbinden die Generationen und sie tragen dazu bei, dass diese Welt für viele ein wenig wohnlicher, heimatlicher und liebevoller geworden ist.

Zum Bild: Oskar Lagger im Gespräch mit dem Pianisten Mathias Clausen. Im Vordergrund seine Tochter. Foto: Kurt Schnidrig.

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