Eine junge, mutige Literatin


Simone Sabine Steiner, Autorin (Foto: zvg)







Wunder gibt es immer wieder. Und dies auch im hart umkämpften Kultur-und Literaturbetrieb. Ziemlich genau vor einem Jahr war es, da schrieb mir eine junge Frau eine E-Mail. Darin stand, sie heisse Simone Sabine Steiner, sie sei 18 Jahre jung und noch Schülerin an der Fachmittelschule in Brig. Im Rahmen ihrer „Selbstständigen Arbeit“ im dritten Jahr habe sie ein Buch geschrieben. Nun habe sie erfahren, dass ich mich mit Büchern beschäftige. Ob ich ihr Buch herausbringen könnte? Bereits beim ersten Durchblättern war ich zutiefst berührt und angetan von der bewegenden Story, welche diese junge Frau da zu Papier gebracht hatte, betreut und angeleitet von ihrem Lehrer Christian Roten. Zwei Monate später verabredete ich mich mit der Autorin, wir überlegten uns das Vorgehen, und kurz darauf stellte ich sie dem Verlagsleiter des Rottenverlags vor. Für Simone Sabine Steiner aus Steg-Hohtenn wird am kommenden Donnerstag, 14. März, nun ein Traum in Erfüllung gehen. Mit ihrem Buch „Gratwanderung“ feiert sie die Vernissage auf der ZAP-Bühne in Brig. Das Schreiben dieses Buches war für sie eine Herzensangelegenheit.

Eine berührende Biografie. Die Autorin schildert Stationen aus dem Leben des jungen Oberwallisers Dominic Eggo. Er war jahrelang drogenabhängig. Im Buch beschreibt Simone Steiner seinen Weg in die Drogen und zurück in die Abstinenz. Zusätzlich zu seiner Lebensgeschichte findet sich im Buch zu jeder Phase der Sucht ein passender Theorieteil. Somit bekommen die Leser*innen die Möglichkeit, Theorie und Praxis zu verbinden. Dies war denn auch die Intention der Autorin. Ihre Biografie trägt den Titel „Gratwanderung – Gefangen im Rausch“. Sie erschliesst die unterschiedlichen Aspekte, die eine Sucht ausmachen. Ursachen, Folgen und Wege aus der Drogensucht sind im Buch leicht verständlich und einleuchtend dargestellt. Mit viel Herzblut und Empathie vermittelt die Autorin aber auch das Leid, den Schmerz und den ewigen Teufelskreis der Sucht.

Sensibel, empathisch und emotional. Dominic Eggo, der Protagonist in Steiners Biografie, kämpft seit Jahren gegen den Drogenkonsum. Schon als Jugendlicher hatte er harte Drogen konsumiert. Er geriet auf die schiefe Bahn, sein Leben beschreibt die Autorin als eine Gratwanderung zwischen Leben und Tod. Dominic Eggo sagt über sich: Mein Leben ist ein einziger, riesiger Drogenabsturz. Dominic Eggo ignorierte jegliche Warnsignale seines Körpers. Angekommen auf dem Tiefpunkt seines Lebens, fährt er zu seinen Eltern. Weg von den Drogen, wieder ein normales Leben führen! Wie aber soll das gelingen? Darüber berichtet die Autorin mit viel Empathie und Sensibilität.

Verständnis wecken für ein Leben füreinander. Nein, er brauche kein Schulterklopfen und kein Mitleid, lässt sich Dominic Eggo im Buch zitieren. Er ist überzeugt, dass die Drogenproblematik nicht nur ihn betrifft. Was er als Betroffener jedoch dringend braucht, das ist ein klein wenig Verständnis. Eine Drogensucht resultiert aus Schicksalsschlägen, vielleicht auch aus einer inneren Hilflosigkeit gepaart mit etwas naivem Handeln. Die Botschaft, die das Buch von Simone Sabine Steiner vermittelt, ist unmissverständlich: Gib nie auf! Versuche immer wieder möglichst viel gerade zu biegen!

Grossartige Erkenntnisse einer jungen Autorin. Was mich beim Lesen dieses Buches unendlich berührt und bewegt, das sind die persönlichen Erkenntnisse, die höchst erstaunlich sind, insbesondere aus der Feder einer doch noch so jugendlichen Autorin. Sie schreibt: Ich habe herausgefunden, dass wir allzu schnell verurteilen. Ich habe mitbekommen, dass wir alle, jede und jeder, allzu sehr in einer eigenen Welt leben. Wir sehen einander bloss als Fassade, was aber dahinter ist, das bleibt uns meistens verschlossen. Und so weckt das Buch von Simone Sabine Steiner viel Verständnis für ein Leben füreinander und nicht gegeneinander.

Text: Kurt Schnidrig. Foto: zvg.

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